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MATERA. Verborgene Heimat

Autor: Martin Martschnig & Pressemitteilung Alpenway am 09.09.2020

Filmtipp auf SWR & ARTE am 13.9.2020
MATERA. Verborgene Heimat

Matera in der Nacht

Als Einstimmung auf eine ganz besondere Film-Matinee auf SWR & ARTE (am 13.9.2020 um 09:35 Uhr), ein Interview mit dem Autor, Regisseur und Kameramann Alessandro Soetje. Für mich ein guter Einstieg, da der Dokumentarfilm immer auch Ansichten, Denkansätze und Zugänge des Filmemachers widerspiegelt, ohne dabei Einfluss auf den Fluss der Dinge zu nehmen, die ihn beim Dreh erwarten.

Am Ende des Artikels erwartet Sie noch ein Trailer zum Film. Viel Spaß und gute Unterhaltung!


Kurz zum Thema des Films

Vor 9.000 Jahren beschloss der Mensch, hier sein erstes Zuhause zu schaffen. Matera. Vermutlich die Mutter aller Städte. Land der Felsen, Höhlen und menschlicher Spuren. An der Schwelle zwischen Orient und Okzident. Die europäische Kulturhauptstadt Matera (2019) vereint alles, was Europa ausmacht: von der Kunst bis hin zu tiefgreifenden Umbrüchen. Und doch – vielleicht mehr als in jeder anderen Stadt – waren es gewöhnliche Menschen, die ihre Geschichte prägten und die ihre Spuren an einem so außergewöhnlichen Ort hinterließen.

Matera von jenseits der Schlucht aus gesehen

Interview mit dem Autor

Wie ist die Idee zu einem Dokumentarfilm über Matera entstanden?
Als mich Alessandro Melazzini kontaktierte und mich fragte, ob ich daran interessiert sei, einen Dokumentarfilm über Matera zu drehen, konnte ich es zunächst fast gar nicht glauben. Ich entdeckte die Stadt vor vielen Jahren, als ich nachts nach einer langen Reise allein in meinem Auto aufwachte. Ich war Anfang 20 und arbeitete als Assistent für einen Dokumentarfilm. Meine Kollegen waren gegangen, um nach dem Weg zu fragen, und als ich die Augen öffnete, tauchte ich in eine Atmosphäre von tausend und einer Nacht ein. Die weiße Stadt, die nur vom hellen Licht des Mondes erhellt wurde, durchdrang mich mit ihrer angestammten Energie. Es war Liebe auf den ersten Blick. Seitdem war ich von den Sassi (der Felsenstadt) wie besessen. Ein Dokumentarfilm daraus zu machen, war für mich wie ein Gebet, das erhört wurde.

Was bedeutete es, einer Stadt wie Matera eine Stimme zu verleihen?
Ich denke, dass viele Leute ihr jetzt gerade eine Stimme geben. Ich habe versucht, sie abzubilden und die besondere Bindung der Stadt mit ihren heutigen und einstigen Bewohnern zu erzählen.

Hat sich Matera seit deinem ersten Besuch sehr verändert?
1992 besuchte ich sie zum ersten Mal. Ein Jahr später wurde sie zum UNESCO-Weltkulturerbe erhoben, ein Schritt, der in der Stadt viel Gutes bewirkt hat. Er brachte Wohlstand, Reichtum und ein neues Bewusstsein für ihren künstlerischen und kulturellen Wert. Die Atmosphäre der Verwahrlosung und des Verfalls, die man 1992 in den Sassi noch spüren konnte, hatte noch den Charme eines Ortes, den man entdecken konnte. Glücklicherweise sind solche Orte in der Stadt noch vorhanden. Einige davon werde ich im Dokumentarfilm zeigen.

Wie wurdest du bei der Produktion dieses Dokumentarfilms von den Einwohnern Materas empfangen?
Die Materaner sind außerordentlich gastfreundlich und erzählen gerne von ihrer Stadt. An anderen Orten ist es sehr oft schwierig, Geschichten, Menschen, Erzählungen zu finden. Aber hier hatten wir die Qual der Wahl. Die ganze Stadt begrüßte mich mit einer großen Umarmung.

Was hast du nach Abschluss der Arbeiten am Dokumentarfilm über Matera herausgefunden, was du vor diesem Abenteuer noch nicht wusstest?
Für gewöhnlich, wenn ich einen Dokumentarfilm drehe, liegt es daran, dass ich mich in eine Geschichte oder einen Ort verliebt habe. Das Filmen hilft mir den Grund dieses Gefühls zu verstehen. In diesem Fall habe ich vielleicht nicht meine Liebesgeschichte erzählt, sondern die der Materaner.

Was war der bewegendste Moment während der Dreharbeiten?
Sicherlich das Ende des Films, aber mehr kann ich dazu nicht sagen.

Auf welche Weise hat es deinen erzählerischen Ansatz geprägt, dass der Dokumentarfilm von einer deutschen Produktionsfirma für einen Kultursender wie ARTE produziert wurde?
Der interessante Teil war, die Stadt zu erzählen und dabei Dinge nicht als gegeben hinzunehmen, die für einen Italiener selbstverständlich sind. Außerdem fühlte ich mich paradoxerweise freier, einige Themen zu behandeln, die in Deutschland, wie ich denke, mit weniger Schamgefühl behandelt werden als bei uns.

Was ist dein Lieblingsort in Matera?
Es gibt eine Gegend der Sassi, die noch weitgehend verlassen ist. Sie heißt Casalnuovo. Hier verschmelzen Natur und Architektur zu einer Verbindung, die an die Khmer-Tempel Kambodschas oder an einige Gemälde von Caspar David Friedrich erinnert. Eine Mischung aus Gotik, Exotik und gleichzeitig Heimat. Nun, an Orten wie diesen fühle ich mich zu Hause.

Gibt es ein Thema, einen Ort, eine Person, die du gerne erzählt hättest, die du aber nicht geschafft hast zu behandeln?
Ich konnte die Geschichte der Plünderer nicht miteinbeziehen. Und doch ist das ziemlich interessant. Aber es ist eine lange und komplexe Geschichte, die womöglich einen eigenen Dokumentarfilm verdient.

Welche tiefere Message möchtest du dem Zuschauer, der sich dein Werk zu Ende angeschaut hat, mitteilen?
Mitteilungen und Messages verschickt das Handy oder werden höchstens vom Postboten überbracht. Ich versuche, meine eigene Sicht der Dinge zu vermitteln, in der Hoffnung, dass sich auch jemand anderes dafür interessiert.







Fotorechte / Trailer:
Alpenway Media GmbH

Schlagworte:
Film, Dokumentation
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Christoph Cecerle macht vor keinem fahrbaren Untersatz halt und hält sich dabei ausnahmslos an italienische Fabrikate. Ob im Rennsportsitz eines Abarth, auf dem Sattel einer Moto Guzzi oder Vespa oder verdecklos im Cinquecento, der Mann testet alles, war zwei bis vier Räder hat.

Seine Testberichte sind derart genussvoll, daß ich nicht anders konnte, als ihn auf italissimo.at einzuladen. Wer mehr von ihm lesen will, dem sei sein Blog mipiace.at ans Herz gelegt, wo es auch schon einmal um Mode und Genuss im engeren Sinne gehen kann.

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„Bustine di Minerva" hieß Umberto Ecos langjährige Kolumne und frech strich Roland Graf die Göttin des Herdes und ersetzte sie für die neue „italissimo"-Kolumne durch den Gott des Rausches. 

Der Autor (im Bild von Ch. Barz vor den besagten Bustine abgelichtet) sagt damit gleich auch etwas über sich: Er ist studierter Philosoph und Philologe (daher die Eco-Hommage!), vor allem aber Reisender in Sachen Getränken. 

Stand zu Beginn vor allem die Berichterstattung über Winzer im Mittelpunkt, erweiterte sich der Schwerpunkt seiner Artikel - in „Mixology", „A la Carte", der ÖGZ sowie dem WIENER - auf die Themen Bier und Bars. 

Nachzulesen, neben dem Italien-Blog Ihres Vertrauens, ist das auch alle zwei Tage aktualisiert unter www.trinkprotokoll.at.