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Rezeptisches Grenzgängertum der Damen im Karst

Autor: Martin Martschnig am 03.05.2017

Lokaltipp Friaul - Lokanda Devetak 1870
REZEPTISCHES GRENZGÄNGERTUM DER DAMEN IM KARST



Plaudert man mit Winzern und Gastronomen der Region über zu lobende Mitbewerber in Sachen Landgasthaus, so fällt im Bereich Collio und Karst nur allzu oft der Name Lokanda Devetak. Höchste Zeit also, der guten Stube meine Referenz zu erweisen. Nicht zuletzt aufgrund der Suche nach Partnerbetrieben für ein in Kürze online gehendes Genussreiseprogramm namens "100% Karst".

Friaul für Fortgeschrittene schon bei der Anfahrt, die Kurverlpartie nach oben ist ohne Navi (die des Autos ist schon längst sprachlos und der Empfang auf meinem Handy ist nicht mehr der Rede wert) abenteuerlich idyllisch und sollte ob der Vegetation am Straßenrand wohl einmal pro Jahreszeit absolviert werden. Mit Hilfe von Einheimischen - die mich stets auf der richtigen Fährte wissen - erreiche ich wenige Rally-Minuten von Gradisca entfernt mein Ziel. Quasi eine Sonderprüfung als Eintrittskarte ins Gaumenspiel.

Bevor es zu Tisch geht, darf ich mit dem Hausherrn Avgustin einen Blick in den sehenswerten Weinkeller werfen, der stets eine Auswahl aus Weinen im zweistelligen Tausenderbereich (Anzahl nicht Preis ...) erlaubt. Würde man in dieser Lage nicht vermuten, macht bei der mich erwartenden Küche hingegen absolut Sinn. In der Küche wird das Zepter langsam an die nächste Generation übergeben, will heißen von Mutter Gabriella auf Tochter Tatjana. Beide fühlen sich der Idee verpflichtet, tradtionelle Gerichte in die Gegenwart oder gar Zukunft zu beamen, was so manche freudige Überraschung mit sich bringt.



Der Gruß aus der Küche kommt mit einem selbst eingemachten Gurkerl (wofür wiederum die Schwester von Tatjana zuständig ist, deren Eingelegtes und Eingekochtes man im Feinkostregal erstehen kann), Mozzarella und Ingwermarmelade daher. Als Primo bestelle ich mir einen der Klassiker des Hauses, die "Snidejneo testo". Hinter dieser grenzübergreifenden Wortfolge verbergen sich Gnocchi pasta lievitata, frühlingshaft in einer Crema di asparagi gewendet. Dieses von Gabriella entworfene Gericht verzichtet auf die Kartoffel in der Masse und arbeitet sich mit Hefe zur kugeligen Primo-Attraktion. Deftige Nockerln, die ganzjährig auf der Karte zu finden sind, aber saisonalen Varianten unterliegen. So waren Sie im Feber noch mit einem Spezzatino di coniglio ai semi di finocchio zu haben - ein winterhaftes Vergnügen.



Als Secondo habe ich mir den Petto d`anatra con susine im Terranosafterl ausgesucht. Diese Ente war nicht von schlechten Eltern! Ein sehr zartes Brüstchen im Rotweinsaucerl auf karstisch, will heißen im Terrano von Skerlj, den ich mir zur Sicherheit auch ins Glas geben lasse - doppelte Weinbegleitung quasi und überhaupt. Drapiert wird dieses Küchengedicht von Ente mit Pflaumen, dem Dolce Vita eines Hauptgerichts Süße verleihend, darüber ein Zimtstäuberl - fertig! Das Kartoffelpatzerl im Tellernebenbereich muss sich mit der Rolle des Statisten begnügen.

Für die Nachspeise mangelt es bei mir sträflicherweise am Platz im Magen, wobei zum Caffè noch kleine Mehlspeisbeigaben großes Verlangen nach einer Rückkehr erzeugen. Zum Glück habe ich noch das Frühstück am nächsten Tag vor mir, da ich klugerweise eines der (soeben renovierten) Zimmer für eine Nacht im Karst gebucht habe. 



Fazit: Ein erfreulicher Abend voller Tellerfreuden nahe Gradisca, der mir eine neue Anlaufstelle für Mittag- oder Abendessen für meine Genussreisen ermöglicht (ab sofort mit allen Collio-Pakten buchbar!) und wohl auch in Kürze die Basis für das Karstprogramm werden wird. Ein "Ich glaub' ich steh' im Wald-Erlebnis" der besten Art. Ein Dank an die Damen in der Küche und dem Herrn der Kostglasversorgung. Complimenti!

Lokanda Devetak
via Brezici 22
Loc. San Michele del Carso 
Savogna d`Isonzo - Go



Schlagworte:
Friaul, Lokaltipp, Karst
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Christoph Cecerle macht vor keinem fahrbaren Untersatz halt und hält sich dabei ausnahmslos an italienische Fabrikate. Ob im Rennsportsitz eines Abarth, auf dem Sattel einer Moto Guzzi oder Vespa oder verdecklos im Cinquecento, der Mann testet alles, war zwei bis vier Räder hat.

Seine Testberichte sind derart genussvoll, daß ich nicht anders konnte, als ihn auf italissimo.at einzuladen. Wer mehr von ihm lesen will, dem sei sein Blog mipiace.at ans Herz gelegt, wo es auch schon einmal um Mode und Genuss im engeren Sinne gehen kann.

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„Bustine di Minerva" hieß Umberto Ecos langjährige Kolumne und frech strich Roland Graf die Göttin des Herdes und ersetzte sie für die neue „italissimo"-Kolumne durch den Gott des Rausches. 

Der Autor (im Bild von Ch. Barz vor den besagten Bustine abgelichtet) sagt damit gleich auch etwas über sich: Er ist studierter Philosoph und Philologe (daher die Eco-Hommage!), vor allem aber Reisender in Sachen Getränken. 

Stand zu Beginn vor allem die Berichterstattung über Winzer im Mittelpunkt, erweiterte sich der Schwerpunkt seiner Artikel - in „Mixology", „A la Carte", der ÖGZ sowie dem WIENER - auf die Themen Bier und Bars. 

Nachzulesen, neben dem Italien-Blog Ihres Vertrauens, ist das auch alle zwei Tage aktualisiert unter www.trinkprotokoll.at.