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Viennale - Eva Sangiorgi im Gespräch

Autor: Christoph Cecerle - Mi Piace am 10.10.2018

Interview mit der neuen Viennale-Chefin
VIENNALE – EVA SANGIORGI IM GESPRÄCH



Viennale – Vienna International Film Festival

Die Ursprünge der Viennale gehen bis in das Jahr 1960 zurück, so dass die Viennale 2018 heuer bereits zum 56. Mal stattfindet. Die Viennale ist ein internationales Filmfestival ohne Wettbewerb und eines der renommiertesten und qualitativ hochwertigsten Filmevents in Europa. Die Einmaligkeit der Viennale ergibt sich aus dem Anspruch, sowohl Publikumsfestival für eine breite Öffentlichkeit, als auch Standortbestimmung in qualitativer und ästhetischer Hinsicht zu sein.



Hinzu kommt die Diskussion und der Diskurs, ein Cometogether von Filmschaffenden und Filmliebhabern, eine zu tiefst österreichische Melange. Durch das bedauerliche Ableben des langjährigen Festivalleiters Hans Hurch 2017 ergab sich die Notwendigkeit einer Neuausschreibung der Position, aus der Eva Sangiorgi als neue künstlerische Leiterin hervorging. Sie zeichnet erstmals für die 56. Viennale von 25. Oktober bis 8. November 2018 verantwortlich.

Eva Sangiorgi
Meine Verbindung zu Eva Sangiorgi ergibt sich allerdings nicht aus der Welt des Kinos, vielmehr führt mich mein verschlungener Weg über Vespa und Italien zu Eva Sangiorgi, die ich im Espresso in der Wiener Burggasse, unweit ihres Büros, zum Gespräch getroffen habe.

Mipiace: So weit ich weiß, bist du von Italien nach Mexiko gezogen?

Eva Sangiorgi: Vor rund 16 Jahren bin ich von Italien mit einem Stipendium für die Universität von Mexico City nach Mexiko gezogen. Anfangs pendelte ich noch zwischen Italien und Mexiko, hatte auch nichts spezifisches in Bezug auf Film zu tun, abgesehen von meinem Stipendium. Nach der Beendigung meiner wissenschaftlichen Tätigkeit pendelte ich weiter, lebte aber auch in Paris, um mein Französisch zu verbessern. Meinen Lebensunterhalt erarbeitete ich mir dort als Kellnerin, und sah natürlich unzählige Filme. Paris ist dafür einfach perfekt



Aber irgendwie hatte ich mich schon in Mexiko verliebt, die Energie, die Kultur, alle den Dingen, die ich nicht kannte. Damals habe ich begonnen, bei einem Filmfestival zu arbeiten, und so hat meine Karriere begonnen. Vor acht Jahren habe ich dann mein eigenes Festival in Mexico City gegründet, unterstützt von der Universität von Mexico mit 300.000 Studenten. Das Festival existiert immer noch, aber ich kann natürlich nicht bei zwei Festivals gleichzeitig arbeiten, impossible.

Mipiace: Und dann hast du erfahren, dass die künstlerische Leitung der Viennale ausgeschrieben ist?

Eva Sangiorgi: Genau so war es. Ich war ja schon Beobachterin der Viennale für mindestens 10 Jahre, weil die Viennale für mich immer ein sehr inspirierendes Festival war und auch sehr nützlich, weil die Viennale am Ende des Jahres stattfindet, ein Querschnitt der besten Filme mit den besten Regisseuren.

Es war also immer wichtig, zur Viennale zu kommen. Daher kannte ich auch schon das Team und natürlich Hans Hurch. Nach seinem Tod wurde ich eingeladen, mich zu bewerben, dachte aber nicht, dass es klappen würde. Ich war zu dieser Zeit auch sehr glücklich in Mexiko, hatte aber das Gefühl, dass ich wieder näher an Europa rücken sollte. Ich wollte neues erleben, neue Erfahrungen machen, ich war einfach bereit, was neues zu machen.
Ich wollte einfach diesen Teil Europas erkunden, aus vielen Gründen, die Mischung der Kulturen und ich muss sagen, dass dieser Teil Europas für mich immer noch ein Mysterium ist.

Mipiace: Auch Österreich?

Eva Sangiorgi: Ja auch Östereich, weil Österreich dermaßen stark von anderen Kulturen beeinflusst ist.

Wir gleiten ein wenig ab, in die Tiefen der österreischen Küche im Vergleich zur mexikanischen, der Beeinflussung Österreichs durch andere Kulturen, aber auch in die Verbindungen zwischen Österreich und Mexiko.

Eva Sangiorgi: Im März 2018 bin ich dann nach Österreich gezogen und habe gleich begonnen, Deutsch zu lernen, was aber Zeit in Anspruch nimmt.



Mipiace: Wie lange ist dein Vertrag mit der Viennale?

Eva Sangiorgi: 3 Jahre mit Verlängerungsmöglichkeit.

Mipiace: Ist die Viennale eigentlich ein politisches Festival?

Eva Sangiorgi: Ich denke ja. Die Viennale ist ein sehr wichtiges kulturelles Event. Es geht nicht nur um tagespolitische Fragen. Man braucht politische Positionen in vielen Zusammenhängen. Wir sehen viele Fragen und Themen und müssen entscheiden, welche Filme wir für die Viennale auswählen.

Mipiace: Hat die Viennale eine (politische) Message?

Eva Sangiorgi: Wir sprechen viele Themen aus vielen unterschiedlichen Blickwinkeln an. Wichtig ist mir, dass das Festival den Dialog eröffnet und ermöglicht. Ich nehme mir nicht heraus, eine Wahrheit zu kennen. Die audi-visuelle Sprache des Films ist dermaßen komplex, dass nicht einfache Antworten gegeben werden, sondern das Gespräch eröffnet wird. Ich suche Filme aus, die die Reflexion über ein Thema anregen, aber wir wollen und können keine einfachen Antworten auf komplexe Fragen geben. Wir versuchen generell, eine weite Spanne von Filmen auszusuchen und zu zeigen, eine weite thematische Spreizung, aber auch eine Bandbreite in Bezug auf Budgets.

Mipiace: Das hört sich sehr komplex an.

Eva Sangiorgi: Bei der Auswahl der Filme kommen aber noch Komponenten wie die Ästhetik und die künstlerischen Aussage zum tragen, egal ob es sich um einen Arthouse-Film mit viel Budget oder um einen Experimentalfilm einer Person handelt.

Mipiace: Soll nicht jeder Film auch Unterhaltung sein?

Eva Sangiorgi: Film kann Unterhaltung sein, ja. Ein Film kann aber viele Dinge nebeneinander sein. Ein Film kann auch lustig sein, sollte aber nie ins Banale abgleiten. Ich mag auch Komödien, leichte Filme, aber niemals darf der Film banal sein. Ich versuche, unseren Gästen keine Zeit zu stehlen. In den 90 Minuten oder 2 Stunden möchte ich ihnen etwas geben, was Wert hat.

Mipiace: Hat die Viennale ein Motto?

Eva Sangiorgi: Mein Fokus liegt darin, Leute zusammenzubringen, in den Dialog zu bringen. Neben den Filmen selbst bieten wir auch realen Dialog mit den Regiesseuren, den Schauspielern. Wir versuchen, die internationale Filmszene in Verbindung zu bringen mit der lokalen Wiener Szene, nicht nur die Professionals, sonder auch Kulturinteressierte, Gäste und Besucher der Viennale.Die Viennale ist offen für alle.



Mipiace: Ist die Viennale ein internationales Filmfestival?

Eva Sangiorgi: Natürlich, die Viennale ist und war immer ein internationales Festival. Ich denke nie lokal, ich möchte die ganze Welt einbeziehen. Amerika, Südamerika, natürlich Asien, wo mehr und mehr interessante Filme produziert werden. Und Österreich ist hierzu ein interessanter strategischer Punkt, nicht nur in Europa.

Mipiace: Was erwartet mich, wenn ich zur Viennale komme?

Eva Sangiorgi: Auf jeden Fall die lebhaftesten internationalen Filmtrends aus der ganzen Welt. Eine Werkschau, eine Selektion aller Filmproduktionen weltweit. Berühmte Regisseure und auch Newcomer, ein Querschnitt des letzten Jahres.

Mipiace: Werden auch italienische Filme gezeigt?

Eva Sangiorgi: Aber natürlich. Bei italien denkt man zwar meist an die ruhmreiche Vergangenheit, aber wir werden einige sehr interessante neue Produktionen aus Italien zeigen.

Mipiace: Genießt du es in Wien?

Eva Sangiorgi: Ich genieße es sehr, hier in Wien zu sein. Ich finde Wien sehr elegant. Wien ist eine sehr lebhafte Stadt, auch wenn ich noch nicht so viel Zeit hatte, alles näher kennenzulernen. Trotzdem, der Sommer in Wien war einfach herrlich, so wie das Essen, aber auch die sportlichen Möglichkeiten sind fantastisch. Ich schwimme viel, laufe.

Mipiace: Und du fährst deine Vespa.

Eva Sangiorgi: Ich habe schon in der ersten Woche gewußt, ich brauche eine Vespa. Irgendwie fühle ich mich wie in Bologna. Man ist in er Stadt, aber in 30 Minuten ist man mit der Vespa im Grünen. Nur wie macht ihr das mit der Vespa im Winter?

Mipiace: Bis auf ein paar Schneetage kann man eigentlich durchfahren.

Eva Sangiorgi: Ich hatte in Italien immer eine Vespa, eine Schaltvespa, ich bin Vespa fahren also gewohnt. Die Vorzüge in der Stadt sind natürlich evident, aber es macht einfach auch sehr viel Spaß, und für eine Italienerin ist eine Vespa ein Muss!

Mipiace: Dann wünschen wir dir nicht nur eine erste erfolgreiche Viennale, die am 25.Oktober 2018 beginnt, sondern auch wunderschöne Jahre in Wien, schwimmend, laufend und natürlich auf der Vespa! Vielen Dank für das Gespräch.

Der Pocket Guide und der Katalog erscheinen am 16.Oktober 2018, der Vorverkauf startet am 20.Oktober 2018 um 10 Uhr.

 

Schlagworte:
Film, Viennale
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Christoph Cecerle macht vor keinem fahrbaren Untersatz halt und hält sich dabei ausnahmslos an italienische Fabrikate. Ob im Rennsportsitz eines Abarth, auf dem Sattel einer Moto Guzzi oder Vespa oder verdecklos im Cinquecento, der Mann testet alles, war zwei bis vier Räder hat.

Seine Testberichte sind derart genussvoll, daß ich nicht anders konnte, als ihn auf italissimo.at einzuladen. Wer mehr von ihm lesen will, dem sei sein Blog mipiace.at ans Herz gelegt, wo es auch schon einmal um Mode und Genuss im engeren Sinne gehen kann.

Salomons Diario

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Wolfgang Salomon ist Wirt, Koch, Autor und Fotograf in Personalunion. Seit über 10 Jahren bringt er in seiner Osteria in 1020 Wien - der Spezerei - gemeinsam mit seinem Bruder Friaul und Venetien auf den Tisch, verwehrt sich den Moden und widmet sich lieber seinen Gästen.

In der Freizeit ist er keineswegs frei von zeitraubenden Ideen, schreibt Bücher, die auf Bestsellerehren verweisen können, man denke nur an "Venedig abseits der Pfade". Mit seiner Kamera bewaffnet wird er regelmäßig zum Kämpfer gegen das Vergessen, streift auf seinen Touren durch die Lagune von Venedig durch Jahrhunderte und bringt damit eigene Welten zu Tage.

Daher freue ich mich ganz besonders, ihn hier hie und da mit seinen "Zwischenmeldungen" begrüßen zu dürfen. Mehr über in als Wirt finden Sie unter Spezerei.at

Bustine di bacco

Roland Graf im Blog auf italissimo- Bustine del bacco

Bustine di bacco

„Bustine di Minerva" hieß Umberto Ecos langjährige Kolumne und frech strich Roland Graf die Göttin des Herdes und ersetzte sie für die neue „italissimo"-Kolumne durch den Gott des Rausches. 

Der Autor (im Bild von Ch. Barz vor den besagten Bustine abgelichtet) sagt damit gleich auch etwas über sich: Er ist studierter Philosoph und Philologe (daher die Eco-Hommage!), vor allem aber Reisender in Sachen Getränken. 

Stand zu Beginn vor allem die Berichterstattung über Winzer im Mittelpunkt, erweiterte sich der Schwerpunkt seiner Artikel - in „Mixology", „A la Carte", der ÖGZ sowie dem WIENER - auf die Themen Bier und Bars. 

Nachzulesen, neben dem Italien-Blog Ihres Vertrauens, ist das auch alle zwei Tage aktualisiert unter www.trinkprotokoll.at.