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Abarth 124 Spider - Hells Bells

Autor: Christoph Cecerle am 25.04.2017

Testbericht / Christoph Cecerle
ABARTH 124 SPIDER - HELLS BELLS

Abarth 124 Spider

Einige Autos machen Spaß. Manche Wagen werden aber nur deshalb gebaut, um ihren Besitzern Freude zu bereiten. Und genau ein solcher ist der Abarth 124 Spider, dessen historische Wurzeln bis tief in die Nachkriegsjahre reichen.

Ich spreche von Freude, nicht Status oder Protz, denn einen Abarth und im Speziellen den 124 Spider, erwirbt man nicht, um sich zu präsentieren, sich und sein Geld zur Schau zur stellen, seine Potenz zu unterstreichen.

Einen Spider erwirbt man, um die bubenhafte Freude an der benzingetrieben Fortbewegung zu erleben, die Leichtigkeit des Antriebs und die Fliehkraft der Kurve. Der Abarth 124 Spider folgt der Tradition der klassischen Roadster oder Spider, wie die Italiener dieses Fahrzeugkonzept nennen.

Eine kleine leichte Karosserie, der Motor vorne und idealerweise längs angeordnet, der Antrieb erfolgt klassisch an der Hinterachse, die so ein reges Eigenleben entwickeln darf. Das Dach schützt vor dem Wolkenbruch, gefahren wird unter blauem Himmel. So haben es die Engländer und Italiener erdacht, und genau so setzt es Abarth um.

Test Abarth 124 Spider

Der Antrieb
Ein Spider braucht keinen großen schweren Motor, ein Spider braucht nur ausreichend Kraft, um sein geringes Gewicht behände durch Kurven zu scheuchen. Und der Abarth 124 Spider hat mit seinen 170 PS und 250Nm aus dem kleinen 1.4 Liter Turbo mehr als ausreichend Kraft, seinen 1060kg leichtfüßig von einem Radius in den anderen zu schießen, so viel, dass der kleine Spider auch gerne das Heck keck raushängen lässt. Allzu wildem Herumtollen bietet das abschaltbare ESP Einhalt, das zwar gewisse Winkel zulässt, Pirouetten oder doppelte Rittberger aber zuverlässig unterbindet. Dem Spaß tut das Rettungsnetz übrigens keinen Abbruch und die Gesundheit des Fahrers und Fahrzeuges währt dafür umso länger.

Am Stammtisch darf sich der Abarthisti mit 232km/h Spitze rühmen und der Standard-Sprint auf 100km/h ist in 6,8 Sekunden auch satisfaktionsfähig.

Abarth 124 Spider Test 2

Der Auspuff
Normalerweise kommt niemand auf die Idee, einer Abgasanlage einen Absatz zu widmen, beim Abarth 124 Spider stellt aber die Record Monza Klappen-Auspuffanlage vielleicht das zentrale Kaufargument dar. Niemand komponiert schöner, eine Symphonie aus Tönen, moduliert mit dem Gaspedal.

Ich kenne keinen Auspuffanlage, die dramatischer klingt als die Monza Record, keine Anlage, die diese wunderschöne Bandbreite an animalischen Vibes erzeugt, die nicht nur hör-, sondern auch fühlbar sind. Man gibt Gas, um die Mitte der 2000 Umdrehungen zu durchschreiten, das Öffnen der Klappen, ein Tier, das tief Luft holt, bevor es zur reißenden Bestie wird. Da hat es dem distinguierten Herren in seinem F-Type fast das Toupet vom Skalp gezogen. Ehrenwort!

Wie diese Anlage durch die strenge Prüfung der Typisierung rutschte bleibt ein Rätsel, ein kleines Wunder, oder vielleicht gibt es bei der Behörde auch große Fans von Puccini, Verdi und Donizetti.

Abarth 124 Spider Testbericht

Das Getriebe
Was habe ich schon über alle Arten von automatischen Getrieben gemeckert. In diesem Fall kommt aus meinem Mund aber nur ein Bravo. Das 6-Gang Automatikgetriebe entpuppt sich als Quell wahrer Fahrfreude und als bester Freund des 1.4 Liter Turbos. Automatisch geschaltet passt jeder Anschluss perfekt und lässt den Spieltrieb an den Paddels schnell verebben. Es gelingt kaum, die Anschlüsse besser zu setzen als der Algorithmus und man konzentriert sich auf Einlenkpunkte und die Musik, die aus dem Auspuff kommt.

Einziger kleinlicher Kritikpunkt an den Paddles: Ich habe sie lieber statisch und vom Lenkrad entkoppelt in immer gleicher Position, damit ich beim Kurbeln im kurvigen Geläuf auch sicher weiß, wo ich hinauf oder hinunter schalte.

Von meiner Seite trotzdem eine vorbehaltslose Empfehlung für Genussfahrer und technikverliebte, wenngleich ich vielleicht den Roadster Charakter mit der 6-Gang Handschaltung unterstützen würde.

Die Getriebewahl bleibt also reine Geschmackssache, ein eindeutiges Unentschieden. Bestellt was ihr wollt, jede Wahl ist hier die Beste!

Testfahrt Abart 124 Spider

Das Fahrwerk
Dem Saft und der Kraft des Motors und der Musik angemessen präsentiert sich das Fahrwerk und die Bremsen. Jedem Rad seine Aufhängung und jedem Rad seine rote Brembo Zange. So ausgewogen das Gewicht verteilt ist, so spielerisch und balanciert fährt sich der Abarth 124 Spider. Man sitzt gefühlt direkt an der Hinterachse, tief eingebettet in die röhrende Maschine. Perfekt die Sitzposition tief am Hosenboden, ideale Distanzen zum Lenkrad und der Pedalerie.

Jedes Zucken des Hecks fühlt sich an wie ein freudschaftlicher Klaps auf den Hintern, eine Aufforderung zum Spielen. Kein Zerren in der Lenkung, Heckantrieb sei Dank. Für einen Sportwagen fährt sich der Abarth aber erstaunlich komfortabel, ohne schwammig oder unpräzise zu werden. Wien-Innsbruck ist ohne gravierenden Komforteinbußen machbar und ich wollte auch nach 9 Stunden Kurve um Kurve gerne weiterkurbeln.

Testbericht Abarth 124 Spider

Die Karosserie
Ein Spider ist ein Roadster ist ein Spider. Wer Transportaufgaben zu bewältigen hat kauft wo anders, aber 2 größere Sporttaschen gehen ohne weiteres in den Kofferraum. Einem Ausflug mit der Geliebten nach Venedig steht also nichts im Wege, Skiurlaube mit der Familie gehen sich aber nicht aus.

Im Cockpit des Abarth 124 Spider geht es intim zu, 2 Personen im Maßanzug, körpernah geschnitten von Armani. Die Sitzheizung lodert in 3 Stufen wie der offene Kamin auf der Skihütte, das Gebläse umschmeichelt die Piloten mit heißer Luft, so dass unser kleiner Spider immer offen gefahren werden kann.

Das geniale Klappverdeck mutiert also zum Regenschutz, zum Öffnen und Schließen genügt das Entriegeln und eine beiläufige Bewegung eines Armes nach hinten. Das Verdeck rastet ein und bedeckt sich selbst So gehört das unwürdige Herumschiesteln mit einer Persenning der Vergangenheit an und die Tages des offen Fahrens verdoppeln sich. Und das Beste: In weniger als 30 Sekunden ist alles erledigt, sowohl auf als auch zu.

Grazie Abarth.

Abarth 124 Spider 1

The Verdict
Ganz große Oper aus Italien! Ein Auto gebaut für Fans, ein Sportwagen reinsten Wassers. Und bitte keine Verweise auf Japan, denn es liegt in der Natur eines Abarths, aus Gutem das Beste zu machen. Ein klassisches Chassis mit bulligem Motor, bissigen Brembos und das niedrige Gewicht machen den Abarth 124 Spider zu einem Unikat auf dem Roadster Markt.

Was nutzen hunderte von Pferdestärken, wenn der Körper fett und träge ist, allein die Balance und Verschmelzung von Mann und Maschine zeigen den Weg in die Zukunft. Untermalt wird dieser rurale Charakter vom Orchester Record Monza, täglich Quell höchster symphonischer Freuden.

So ist der Abarth 124 Spider ein Antidepressivum, eine Bereicherung für jeden Tag und eine der letzten Möglichkeiten, sich die Freude benzingetriebener Mobilität zu gönnen, bevor elektro- oder wasserstoffbetriebene Fahrzeuge autonom auf der Autobahn fahrend jeden Fahrspaß begraben.

Kaufbefehl, solange sowas noch zu erwerben ist!

P.S.: Nervt euren Abarth-Händler, denn ihr müßt den 124 Spider gefahren sein, um seinem giftigen Skorpionstich zu erliegen. Text, Foto und Video können nur erahnen lassen, wie sensationell der Spider ist!



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Mipiace.at Christoph Cecerle

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Christoph Cecerle macht vor keinem fahrbaren Untersatz halt und hält sich dabei ausnahmslos an italienische Fabrikate. Ob im Rennsportsitz eines Abarth, auf dem Sattel einer Moto Guzzi oder Vespa oder verdecklos im Cinquecento, der Mann testet alles, war zwei bis vier Räder hat.

Seine Testberichte sind derart genussvoll, daß ich nicht anders konnte, als ihn auf italissimo.at einzuladen. Wer mehr von ihm lesen will, dem sei sein Blog mipiace.at ans Herz gelegt, wo es auch schon einmal um Mode und Genuss im engeren Sinne gehen kann.

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Bustine di bacco

„Bustine di Minerva" hieß Umberto Ecos langjährige Kolumne und frech strich Roland Graf die Göttin des Herdes und ersetzte sie für die neue „italissimo"-Kolumne durch den Gott des Rausches. 

Der Autor (im Bild von Ch. Barz vor den besagten Bustine abgelichtet) sagt damit gleich auch etwas über sich: Er ist studierter Philosoph und Philologe (daher die Eco-Hommage!), vor allem aber Reisender in Sachen Getränken. 

Stand zu Beginn vor allem die Berichterstattung über Winzer im Mittelpunkt, erweiterte sich der Schwerpunkt seiner Artikel - in „Mixology", „A la Carte", der ÖGZ sowie dem WIENER - auf die Themen Bier und Bars. 

Nachzulesen, neben dem Italien-Blog Ihres Vertrauens, ist das auch alle zwei Tage aktualisiert unter www.trinkprotokoll.at.